Alles zum Thema Firmenwagen

Allgemeines

Firmenwagen sind zum Betriebsvermögen gehörende Kfz, die Arbeitnehmer privat nutzen dürfen.

Hieraus ergibt sich ein sog. geldwerter Vorteil, der zum Arbeitslohn zählt. Bei Geschäftswagen, die ebenfalls zum Betriebsvermögen gehören, ist es der Unternehmer, der das Kfz auch privat nutzt, und die sich hieraus ergebenden Kosten sind Privatentnahmen, die den Gewinn nicht mindern dürfen.

Bei Geschäfts- oder Firmenwagen, die zu mehr als der Hälfte für betriebliche Fahrten genutzt werden, besteht die Möglichkeit, den Privatanteil pauschal nach der sog. 1 %-Methode zu versteuern, d. h. mit einem Prozent des Bruttolistenpreises zzgl. der Kosten für Sonderausstattungen pro Monat. Alternativ kann der Privatanteil auch nach der sog. Fahrtenbuchmethode versteuert werden, indem ein Fahrtenbuch geführt und die auf die Privatfahrten entfallenden Aufwendungen dem Gewinn wieder hinzurechnet werden.

Hier wird der Entnahmewert also nach dem Umfang der tatsächlichen privaten Nutzung berechnet. Wird das Fahrzeug zu weniger als 50 % betrieblich/beruflich genutzt, muss der Entnahmewert zwingend nach dem Umfang der privaten Nutzung berechnet werden. Liegt kein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch vor, wird der private Nutzungsanteil im Wege der Schätzung ermittelt. Zentral ist damit der Umfang der betrieblichen bzw. beruflichen Nutzung, der zunächst ermittelt werden muss:

Überwiegende betriebliche bzw. berufliche Nutzung (über 50%)
Betrieblich/beruflich veranlasste Fahrten
  • Betrieblich bzw. beruflich veranlasst sind alle Fahrten, die in einem tatsächlichen und wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem Betrieb stehen (z. B. Fahrten zu Kunden, Geschäftspartnern, Warenlieferungen),
  • die Arbeitnehmer mit dem Firmenwagen tätigen,
  • zwischen Wohnung und Betriebs- bzw. Arbeitsstätte sowie
  • Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung.
Privat veranlasste Fahrten - hierzu zählen insbesondere Fahrten
  • zur Erholung,
  • zu Verwandten, Freunden, kulturellen oder sportlichen Veranstaltungen,
  • Einkaufsfahrten,
  • zu privaten Gaststättenbesuchen, Mittagsheimfahrten,
  • im Zusammenhang mit ehrenamtlichen Tätigkeiten sowie
  • im Rahmen der Erzielung von Einkünften aus anderen Einkunftsarten (z. B. aus einer selbständig ausgeübten Nebentätigkeit).
Nachweis der betrieblichen bzw. beruflichen Nutzung

Den Steuerzahler trifft die sog. objektive Beweislast, d. h. der Umfang der betrieblichen Nutzung ist darzulegen und glaubhaft zu machen. Jedoch muss hierfür nicht zwangsläufig ein Fahrtenbuch geführt werden. Keines gesonderten Nachweises bedarf es, wenn das Fahrzeug „typischerweise“ überwiegend betrieblich genutzt wird, z. B.

  • wenn es sich einen Steuerzahler aus einer bestimmten Berufsgruppe handelt, bei der sich aus Art und Umfang der Tätigkeit ergibt, dass das Kfz zu mehr als 50 % betrieblich genutzt wird (Beispiele: Handelsvertreter mit großem Geschäftsbezirk, Taxiunternehmer, Land- und Tierärzte, Ärzte, die in großem Umfang Hausbesuche machen, Geburtshelfer, die zu Hausgeburten gerufen werden, Handwerker der Bau- und Baunebengewerbe) oder
  • die Fahrten zwischen Wohnung und Betriebs- Arbeitsstätte sowie die Familienheimfahrten bereits mehr als 50 % der Jahreskilometerleistung ausmachen.

Für den Nachweis genügen z. B. Eintragungen im Terminkalender, Kilometerabrechnungen gegenüber Auftrag­gebern, Reisekostenaufstellungen sowie einfache Aufzeichnungen über einen repräsentativen Zeitraum von i. d. R. drei Monaten. Dabei reicht es aus, wenn die betrieblich veranlassten Fahrten mit dem jeweiligen Anlass und der zurückgelegten Strecke sowie die Kilometerstände zu Beginn und am Ende der betrieblichen Fahrt oder des betrieblichen Abrechnungszeitraums aufgezeichnet werden.

Hat der Steuerzahler den betrieblichen/beruflichen Nutzungsumfang des Kfz einmal dargelegt, geht der Fiskus hiervon auch für die folgenden Verlangungszeiträume aus – es sei denn, es ergeben sich wesentliche Änderungen in Art oder Umfang der Tätigkeit oder der Fahrten zwischen Wohnung und Betriebs-/Arbeitsstätte. Überschreiten Sie trotz sorgfältiger Aufzeichnungen nicht die 50 %-Marke, gelten die Ausführungen zu Kap. III. oder Kap. IV in unserem Informationsblatt zu diesem Thema (siehe unten).

Des Weiteren ist zwischen Einzelunternehmen und Personengesellschaften zu unterscheiden:
  • Einzelunternehmen: Zunächst trifft den Steuerzahler die besondere Beweislast. So entfällt eine Besteuerung, wenn er glaubhaft machen kann, dass bestimmte betriebliche Kfz nicht privat genutzt werden, weil sie hierfür nicht geeignet sind (z. B. bestimmte Werkstattwagen).
  • Dasselbe gilt, wenn es sich um Kfz handelt, die ausschließlich eigenen Mitarbeitern überlassen werden. Die Finanzverwaltung ließ zudem im Fall mehrerer betrieblicher Kfz bis Ende 2009 eine Vereinfachungsregelung zu, wonach nur für ein Kfz der Privatanteil versteuert werden musste, nämlich für das Kfz mit dem höchsten Listenpreis. Voraussetzung hierfür war jedoch, dass der Steuerzahler glaubhaft macht, dass die betrieblichen Kfz nicht von Personen aus seinem Haushalt genutzt werden.
  • Andernfalls setzte das Finanzamt für jeden weiteren Privatnutzer zusätzlich monatlich 1 % aus dem nächst höheren Listenpreis an. Diese Billigkeitsregelung ist seit Anfang 2010 nicht mehr anwendbar.

Interessant ist in diesem Zusammenhang jedoch das aktuelle Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH): In einem Streitfall wollte das Finanzamt dem Unternehmer gerade nicht glauben, dass seine Ehefrau in den Streitjahren 2002 und 2003 keines der beiden Kfz nutzte. Die Bundesrichter hingegen glaubten dem Kläger zwar; dies wirkte sich aber nicht zu seinen Gunsten aus. Denn für den Fall, dass mehrere Kfz zu einem Betriebsvermögen gehören, ist nach Ansicht des BFH die Besteuerung nach der 1 %-Regelung für jedes einzelne Kfz vorzunehmen. Unerheblich ist dabei, wenn die Fahrzeuge – wie in dem Streitfall – nur durch eine Person auch privat genutzt werden.

Tipp von Ihrem Steuerberater:

Unternehmer, die mehrere betriebliche Fahrzeuge auch privat nutzen, sollten daher überdenken, ob sie zukünftig Fahrtenbücher führen. Nur so kann eine Mehrfach­besteuerung der Privatnutzung vermieden werden.

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