Ausfall des Höhepunktes einer Schiffsreise stellt Reisemangel dar

Ausfall des Höhepunktes einer Schiffsreise stellt Reisemangel dar

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erstellt am: 05.03.2015 | von: admin

Bei einer siebzehntägigen Schiffsreise kann der Ausfall des Höhepunktes der Reise zu einem
Minderungsrecht von 20 Prozent führen, nicht jedoch zu einem Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit.

Der Kläger aus 74547 Künzelsau buchte bei einem Münchner Reiseunternehmen eine Schiffsreise nach
Mittelamerika in der Zeit vom 20.02.2013 bis 08.03.2013 zum Preis von 8.123 Euro. In der Einführung der
Reisebeschreibung wurde als „besonderer Höhepunkt“ die Passage des Panamakanals angekündigt. Nach
dem Prospekt war geplant, dass das Schiff am 8. Reisetag in Colon um 6.00 Uhr morgens die Anker Richtung
Panamakanal lichten sollte, um die 81,6 Kilometer lange Durchfahrt zu starten. Tatsächlich fand die Einfahrt in
den Panamakanal jedenfalls nach 16 Uhr statt, so dass der überwiegende Teil der Durchfahrt und
insbesondere auch die Durchfahrt des Gatun-Sees im Dunklen geschah, wobei die Schleusen mit Flutlicht
auch nachts hell erleuchtet sind.

Der Kläger verlangt deshalb Minderung des Reisepreises und Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit in
Höhe von insgesamt 4.061,50 Euro, also die Hälfte des Reisepreises. Das Reiseunternehmen erstattete
freiwillig wegen des Reisemangels 400 Euro. Die Richterin verurteilte das Reiseunternehmen zur Zahlung von
weiteren 1.224,60 Euro und wies im Übrigen die Klage ab.

Das Gericht stellt fest, dass die Schiffsreise mangelhaft war, da die Durchfahrt durch den Panamakanal nicht
wie vertraglich vereinbart gegen 6.00 Uhr morgens begonnen und gänzlich tagsüber durchgeführt wurde,
sondern nur teilweise tagsüber, in der Dämmerung und in der Dunkelheit nachts. Die Tatsache, dass die
Schleusen hell beleuchtet waren, sei in keiner Weise vergleichbar mit einer Tagesdurchfahrt, da für das
Erlebnis der Durchquerung des Panamakanals insbesondere die Natur am Ufer entscheidend sei und nicht die
Ansicht der beleuchteten Schleusen.

Für die Höhe der Minderungsquote ist nach den Feststellungen des Urteils bei einer Kreuzfahrt eine
Gesamtbetrachtung der Reise erforderlich. Es sind die einzelnen Programmpunkte zu gewichten und nicht nur
die einzelnen Reiseleistungen eines Tages gegenüberzustellen. Eine Kreuzfahrt weise regelmäßig eine
bestimmt Prägung auf, die nicht lediglich durch die Fahrtroute, die Dauer der Reise sowie die Ausstattung des
Schiffes bestimmt wird, sondern wesentlich auch durch die touristischen Höhepunkte. Die einzelnen Elemente
der Reise müssen daher gewichtet und in ihrer Bedeutung bewertet werden. Die Durchfahrt des
Panamakanals wurde als einziger Programmpunkt in dem Prospekt als „Highlight“ bezeichnet und als
besonderer Höhepunkt der Reise nach Mittelamerika. Der Gesamteindruck der Reisebeschreibung vermittelt
somit dem Reisenden, dass die Durchfahrt des Panamakanals als besonderer Höhepunkt der Reise
anzusehen ist. Das Gericht hält eine Minderungsquote von 20 % für angemessen und ausreichend.

Ein Schadensersatzanspruch wegen vertaner Urlaubszeit wurde dem Kläger nicht zugesprochen. Infolge des
Mangels bei der Durchfahrt des Panamakanals sei die Reise insgesamt nicht erheblich beeinträchtigt worden.
Das Gericht stellt fest: Auch wenn nach der Durchquerung des Panamakanals eine verständliche Verärgerung
unter den Reisenden und auch beim Kläger bemerkbar war, was naturgemäß mit einer Beeinträchtigung des
Urlaubsgenusses verbunden sein kann, ist festzustellen, dass trotz der nicht zu verkennenden
Beeinträchtigung das Erleben der Küsten Panamas und Costa Ricas mit kulturellen Hintergründen und
interessanten Orten als solches geboten wurde.

Das Urteil ist rechtskräftig.